Donnerstag, 13. Oktober 2011


Die Strategien der Sieger

Was Stars wie Heidi Klum, Sharon Stone und Roger Federer gemeinsam haben und was wir von Top-Leuten lernen können


Heidi Klum ist eines der gefragtesten Models und prangt im Dauereinsatz auf sämtlichen Titelseiten. Ihr strahlendes Lächeln und ihr natürliches Wesen sind sehr gefragt. Dabei begann ihre Karriere erstmal steinig. Obwohl die gebürtige Westfälin nach New York ging und auch Titelseiten wie ‘Self’ zierte, dauerte es ab 1995 noch vier Jahre, bis ihr der Durchbruch gelang. Lange Zeit machte sie Werbung für Versandkataloge, bis sie endlich bei Victoria’s Secret unter Vertrag genommen wurde. Das erfolgreiche Model glaubte auch in Zeiten an sich, als ihr der Mut durchaus hätte sinken können. Denn im Gegensatz zu Kate Moss war sie üppig gebaut und in Paris war 1993 genau dieser spindeldürre Typ gefragt. Heidi Klum peilte immer ein Ziel an und arbeitete darauf hin wie darauf, für Sports Illustrated Bademoden vorzuführen. Sie stürzte sich für das Shooting in Konditionstrainings und achtete auf ihre Ernährung. Der Coup gelang ihr wie - fast - alles in ihrem Leben. Auch privat münzte sie die Trennung von ihrem Ex-Freund Flavio Briatore in ein neues Glück mit dem Schmusesänger Seal um, mit dem sie ihr erstes gemeinsames Kind bekommen hat.

Von Spitzenmanagern lernen

Auch Spitzemanager machen vor, wie Erfolg funktioniert. Um Weltklasse zu sein, bedarf es einem langen Atem und der Treffsicherheit. Unternehmen wie Coca-Cola, Microsoft, Aldi oder Siemens haben ihr Konzept für einen langanhaltenden Erfolg gefunden. Der variiert je nach Produktsparte. Aldi bietet Qualitätswaren zu konkurrenzlos niedrigen Preisen an. Microsoft ist stark in der Entwicklung und dem Vertrieb von Betriebssystemen und anderen Softwarelösungen. Siemens lässt Ingenieure elektronische Produkte für Business oder Consumer entwickeln. Das allein reicht allerdings nicht. Das Management muss langfristige Ziele setzen. Erfolgreiche Menschen haben einen unerschütterlichen Glauben an sich und ihre Fähigkeiten. Sie visieren etwas an und lassen sich auch durch Rückschläge niemals entmutigen. Legendär sind die Beispiele aus der Geschichte. Nachdem Fred Astaire 1933 seine ersten Probeaufnahmen gemacht hatte, urteilte der Regisseur von MGM in einer Notiz: „Kann nicht schauspielern, Halbglatze, kann ein bisschen tanzen!“ Astaire, so heißt es, rahmte sich diese Notiz später ein und hängte sie über den Kamin seiner Villa in Beverly Hills. Auch Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie musste sich Hohn und Spott gefallen lassen. Über ihn wurde gesagt: „Er trägt keine Socken und vergisst, sich die Haare zu schneiden zu lassen. Könnte geistig zurückgeblieben sein.“ Erfolgreiche versuchen es weiter, Erfolglose suchen nach einer Ausrede.

Die Zielscheibe im Auge

Exzellente Manager steuern unter kurzfristigen Bedingungen und behalten den Horizont im Auge. Top-Führungskrägte planen mehrere Schritte im voraus. Dazu ein Statement von Larry Bossidy, dem ehemaligen Chairman und CEO von Honeywell: „Ich gebe nicht viel um diesen Blödsinn, man müsse kurzfristige Quartalsgewinne erreichen auf Kosten langfristiger Investition und Leistung. Sie müssen die richtige Ausgewogenheit finden zwischen dem Erzeugen der richtigen Erwartungen und dem Erreichen Ihrer kurzfristigen Quartalsziele, während Sie gleichzeitig einen Weg finden, die richtigen Investitionen für langfristiges Wachstum anzulegen.“ Klingt kompliziert, ist aber machbar, wie viele Beispiele aus der Wirtschaft zeigen. Insbesondere dann, wenn sich Leidenschaft für ein Produkt oder eine Dienstleistung mit dem kühlen Sachverstand und Instinkt paaren. Wer von seiner eigenen Ware nicht überzeugt ist, wird andere niemals mitreißen können. Da nützen auch gute Produkte und kühle Rechenspiele nichts. Thomas A. Edison wusste: „Erfolg hat nur, wenn er etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“ Und der Unternehmer Philipp Rosenthal gibt den Ratschlag: „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ Malcolm Forbes, ebenfalls Manager setzt auf Risikobereitschaft und formulierte einmal: „Wer Angst vor Misserfolg hat, wird niemals wirklich Erfolg haben.“

Eine besondere Leidenschaft

Starbucks ist eines der besten Beispiele dafür, was die eigene Überzeugung ausmacht. Howard Schulz war immer schon vom Kaffee, von Kaffeehäusern und dem würzigen Duft der Kaffeebohnen fasziniert. Diese Begeisterung war der Motor, der ihn zu einem Kaffeeexperten werden ließ. In Mailand beobachtete er das Treiben in den Capuccinobars, nachdem er in San Francisco bei Starbucks Coffee Company als Leiter Verkauf und Marketing gearbeitet hatte. Seine jahrelangen Studien in Italien überzeugten ihn, in den USA einen neuen Markt zu eröffnen. Zunächst gründete er „Il Giornale“ und bewies mit dieser eigenen kleinen Kaffee-Kette auch Starbucks, dass sein Konzept funktionierte. 1987 kaufte Howard Schultz das grüne Logo von Starbucks. Starbucks gehört heute zu einem weltweit bekannten Unternehmen, das unmittelbar mit Feinschmeckerkaffee und Ausgehen in Verbindung gebracht wird. Übrigens war Howard Schultz keiner, dem der Erfolg in die Wiege gelegt worden war. ‘Meine Chancen, so erfolgreich zu werden, waren so schlecht, dass Sie nie auf mich gewettet hätten. Ich wollte immer so eine Art von Unternehmen aufbauen, in dem mein Vater, ein Lkw-Fahrer und Fabrikarbeiter, der eines Tages verletzt wurde und am nächsten Tag seinen Job los war, eine Chance bekommen würde zu arbeiten.’ Schultz ließ sich von seinem Herzen leiten und hatte ein langfristiges Ziel, das er in kleine Einzelschritte zerlegte.

Viel Einsatz nötig

Überdurchschnittliches Engagement führt automatisch zu einer Spezialisierung. Und das trotz oder gerade durch Fehlschläge auf dem Weg zum ersehnten Ziel wie damals bei dem Tennis-As Steffi Graf, die mit 26 Jahren schon alles gewonnen hatte, was es zu gewinnen gab. Bereits mit vier Jahren spielte sie stundenlang im Hobbykeller ihrer Eltern Tennisbälle gegen die Wand. Ihr eigen waren schon damals Besessenheit und eine besondere Hartnäckigkeit. Mit sechs Jahren gewann sie das „Zwergl-Turnier“, mit acht ihr erstes Turnier. 1981 wurde sie Europameisterin in der Klasse bis 14 Jahre. Die Spitzensportlerin war extrem Ziel fiixiert, ehrgeizig und niemals mit sich zufrieden. Aber noch ein Faktor spielte eine Rolle, wie aus ihren Aussagen hervorgeht: ‘Aber vielleicht versuche ich zu oft, meine Grenzen zu erfahren.’ Steffi Graf blickte immer voraus, auf die nächste Herausforderung. ‘An den Gründen für meine Motivation hat sich eigentlich seit Jahren nichts geändert. Ich möchte besser und besser werden’, sagte sie 1994 gegenüber der Presse. Der Erfolgsautor Dale Carnegie wusste, dass Zielvorgaben absolut wichtig für den Erfolg sind: ‘Sich kleine Ziele setzen. Sie erreichen. Sich neue, etwas größere Ziele setzen. Sie erreichen - so funktioniert Erfolg.’ Natürlich gehört auch Hartnäckigkeit dazu wie Ernst R. Hauschka sagte: „Wer Ausdauer besitzt, ist fast schon am Ziel.“ Und eiserne Disziplin wie bei Karl Lagerfeld, der unermüdlich arbeitet. Steffi Graf kannte diesen Schlüssel bereits früh. Sie urteilte über Tennis-KollegInnen: ‘Viele haben das Zeug zu einer großen Tenniskarriere, aber nur wenige haben die Selbstdisziplin, die dazu nötig ist.’ Erfolgreiche haben eine große Frustrationstoleranz. In Max Schmelings Wortschatz kam der Begriff „aufgeben“ gar nicht vor. Auch Evander Holyfield, Box-Weltmeister sah das so: „Nicht aufgeben ! Es gibt Rückschläge, aber es gibt keine endgültige Niederlage.“

Diverse Faktoren sind wichtig

Arbeitswille, Beharrlichkeit, Begeisterungsfähigkeit, Geduld, Integrität, Intuition, Mut, Risikobereitschaft, Selbstdisziplin, der Wille und die Zuversicht sind Schlüsselfaktoren auf dem Weg zum Ziel. Ohne pausenloses Training würde kein Spitzensportler auf das Siegertreppchen gelangen. Ohne die Beharrlichkeit hätten weder Marilyn Monroe noch Erfolgsautor Stephen King ihren Ruhm erlangt. Stephen King schrieb trotz anfänglicher Absagen durch 30 Verlage konsequent weiter und landete mit ‘Carrie’, seinem fünften Roman, Welterfolg. Walt Disney klapperte 302 Banken ab, bis er endlich einen Kredit bekam. Allen erfolgreichen Menschen ist eines gemeinsam: sie nahmen ihr Leben in die Hand und agierten. Sie warteten nicht ab, sondern begannen sofort damit, sich auf ihr Ziel hinzubewegen. Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der damit angefangen hatte, kleine Steine wegzutragen.“ Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heißt ein anderes.

Visualisierung des Vorhabens

Erfolgreiche Menschen steuern nicht nur kontinuierlich auf ihr Ziel zu, sie visualisieren es auch gedanklich. Für den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner beginnt die Erreichung eines Vorhabens im Kopf. Zunächst mit einem Wunschtraum, dann mit der Idee, der Vision und schließlich mit dem konkreten Konzept. Alle Einzelheiten speichert er im Kopf bildlich ab. Genau wie alle anderen erfolgreichen Menschen erwartet er, dass er dort ankommt, wo er hin will. Der eiserne Wille ist eine starke Macht. Durch diesen Willen nahm er eine harte Vorbereitung und Rückschläge in Kauf. Es war der Preis, den er dafür zu zahlen bereit war. Doch die Besessenheit von etwas lässt jeden diese Hürden als Weg zum Ziel und nicht als Probleme sehen. Messner formulierte es so: „Mit der richtigen Einstellung kann ich auch das hundertste Hindernis bewältigen.“ Die Gedanken kann jeder mit ein wenig Übung steuern. Häufig wiederholte mit Emotionen angereicherte Gedanken werden irgendwann Realität. Messner rät dazu, die Realutopien im Halbschlaf zu visualisieren. Dadurch werden sie im Unterbewusstsein verankert. Es ist grundsätzlich sicher angenehmer, eher Positives als Negatives anzunehmen. Anstatt sich an unglückliche Situationen zu erinnern, können genauso gut frühere Erfolge aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Vor allem in Krisenzeiten kann dieses mentale Training einen aus dem Tief herausholen.
(c) Corinna S. Heyn

Nathalie Daiber/Richard Skuppin, Die Merkel-Strategie. Deutschlands erste Kanzlerin und ihr Weg zur Macht. Hanser Verlag 2006

Bolko v. Oetinger, Hänsel und Gretel und die Kuba-Krise. 13 Wege, Strategie neu zu denken. Hanser 2006

Iris und Jochen Grün, Do - der Weg. Die Weisheit Asiens. atmosphären; München 2005

Heidi Klum, Natürlich erfolgreich. S. Fischer Verlag 2005.

Marita Thiel, Erfolgsstorys. Deutsche Topmanagerinnen machen’s vor. Krüger 2002

Literatur: Focus Magazin Verlag/Unternehmen Erfolg Focus Forum: Die Erfolgsmacher, Von den Besten profitieren. Campus Verlag Frankfurt/New York 2004;

Wolf W. Lasko/Frank Frenzel, Die Magie der Erfolgreichen. Wetten, daß auch Ihr Talent geweckt werden kann? Junfermann Verlag, Paderborn 1996;

James M. Citrin/Richard A. Smith/Christine Stimpel, Das Geheimnis außergewöhnlicher Karrieren. Die fünf Prinzipien für den Weg an die Spitze. Basierend auf der Spencer Stuart-Studie. Campus Verlag Frankfurt/New York 2004;

Thomas Hohensee, Glücklich wie ein Buddha. Sechs Strategien, alle Lebenslagen zu meistern. Kreuz Verlag Stuttgart/Zürich 2003

Positive Glaubenssätze:

1. Erwarten Sie das Gute, nicht das Schlechte.
2. Andere Menschen können einen weder glücklich noch unglücklich machen.
3. Glauben Sie an Ihre Ziele. Verinnerlichen Sie sie.
4. Sehen Sie Rückschläge als Herausforderung und denken Sie: jetzt erst recht !
5. Unglück ist nicht ewig. Es kommt und geht.
6. Ziehen Sie keine Vergleiche.
7. Freuen Sie sich über Positives, ziehen Sie es nicht in den Schmutz.
8. Nicht die Umstände bestimmen Ihr Glück, sondern Ihre Gedanken.
9. Sie können denken, was Sie wollen. Nehmen Sie sich diese Freiheit!
10. Setzen Sie sich positive Ziele und grübeln Sie nicht über Negatives - schon gar nicht über Vergangenes.
11. Glück ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
12. Lenken Sie sich durch etwas Angenehmes vom Traurigen und Schlechten ab. Gönnen Sie sich etwas Gutes !

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